Zusammengelegte beige Pullover auf einem dunklen Holzregal in warmem Licht

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Etikett lesen: woraus deine Kleidung besteht

Le Clair · 28. Oktober 2026 · ca. 8 Minuten

Das Etikett mit der Materialzusammensetzung ist die ehrlichste Information über ein Kleidungsstück: Ein Shop kann einen Pullover „luxuriös“ nennen, die Prozente auf dem Etikett aber nicht ändern. Das kannst du daraus ablesen, bevor du bezahlst.

Eine Frau in camelfarbenem Rollkragenpullover und dunkler Hose überquert eine Straße
Derselbe Rollkragen kann aus Kaschmir, einer Wollmischung oder Acryl sein. Von Weitem sehen sie gleich aus, nach einer Saison nicht mehr.

Was auf dem Etikett stehen muss

In der EU regelt die Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 die Kennzeichnung von Textilfasern. Der Verkäufer muss die Fasern und ihren Gewichtsanteil in Prozent angeben, in der Sprache des Landes, in dem er verkauft, und ein Onlineshop muss das vor dem Kauf zeigen. Die Bezeichnungen sind einheitlich: „Viskose“ bedeutet in jedem Shop dasselbe. Ein Onlineshop ohne Materialangabe ist ein schlechtes Zeichen.

Die Reihenfolge zählt: Die Fasern stehen vom größten Anteil abwärts. Ein „Wollmantel“ mit „60 % Polyester, 30 % Wolle, 10 % sonstige Fasern“ ist in der Praxis ein Polyestermantel.

Naturfasern

FaserStärkenWorauf achten
Wolle (auch Merino)Wärmt auch leicht feucht, nimmt kaum Gerüche an, oft reicht Lüften statt Waschen. Merino ist fein und kratzt nicht.Kann in zu warmem Wasser und durch Reibung verfilzen. Kalt waschen, liegend trocknen.
KaschmirSehr weich und warm bei geringem Gewicht.Die Qualität schwankt stark. Billiger, locker gestrickter Kaschmir pillt schnell. Fühl nach, ob das Gestrick dicht ist.
BaumwolleAtmungsaktiv, hautfreundlich, leicht zu waschen.Trocknet langsam und knittert. Langstapelige Baumwolle (etwa Pima oder ägyptische) ist glatter und hält länger.
LeinenSehr robust, kühlt bei Hitze, wird mit jeder Wäsche weicher.Knittert, und das ist sein Charme, kein Fehler.
SeideLeicht, glatt, gleicht die Temperatur gut aus.Empfindlich: Handwäsche oder Reinigung, beim Trocknen keine Sonne.

Zellulosefasern (Chemiefasern, aber aus Holz)

  • Viskose: fällt schön und fühlt sich fast wie Seide an, wird aber nass schwächer und kann einlaufen. Schonend waschen, nicht auswringen.
  • Modal: ähnlich wie Viskose, weicher und waschbeständiger.
  • Lyocell (bekannt von der Marke TENCEL™): stabiler als Viskose, auch nass. Es wird in einem Kreislauf hergestellt, in dem der Großteil des Lösungsmittels zurückgewonnen wird.

Synthetische Fasern

  • Polyester: strapazierfähig, trocknet schnell, knittert kaum. Atmet schlechter, hält Schweißgeruch leichter fest und gibt beim Waschen Mikrofasern ab.
  • Polyamid (Nylon): sehr abriebfest. In Socken oder Mänteln macht ein kleiner Anteil das Teil langlebiger.
  • Elasthan: 1 bis 5 % geben Jeans und Strick ihre Dehnbarkeit. Mit der Zeit und bei Hitze lässt die Spannkraft nach, Teile mit viel Elasthan können ausleiern.
  • Polyacryl: günstiger Wollersatz, warm, aber pillt schnell und lädt sich statisch auf.

Mischungen: wann sie sinnvoll sind

Eine Mischung ist nicht immer Sparen beim Hersteller. Sie kann gewollt sein:

  • 80 % Wolle, 20 % Polyamid im Mantel: Die Wolle wärmt, das Polyamid schützt Ellbogen und Taschen vor Abrieb.
  • 98 % Baumwolle, 2 % Elasthan in Jeans: Komfort, ohne den Denim-Charakter zu verlieren.
  • Leinen mit Baumwolle: knittert weniger als reines Leinen.

Vorsicht, wenn die edle Faser im Namen steht, aber nicht im Material: Ein „Pullover mit Kaschmir“ mit 5 % Kaschmir ist ein Pullover aus etwas anderem.

„Bio“ und „recycelt“: was die Siegel bedeuten

  • GOTS (Global Organic Textile Standard): Fasern aus biologischem Anbau, geprüft über die ganze Lieferkette. Das Label „organic“ verlangt mindestens 95 % solcher Fasern, „made with organic“ mindestens 70 %.
  • GRS (Global Recycled Standard): bestätigt den Recyclinganteil, mit Kontrollen der weiteren Produktionsschritte. Ein GRS-Label auf dem Produkt verlangt mindestens 50 % recyceltes Material.
  • Ohne Zertifikat ist „öko“ auf dem Etikett nur eine Behauptung. Schau, ob der Shop die Zertifikatsnummer oder die ausstellende Stelle nennt.

Schnelltest vor dem Kauf

  1. Lies das Material, bevor du auf den Preis schaust.
  2. Vergleiche den Produktnamen mit der Zusammensetzung.
  3. Überleg, wie oft du es tragen und wie du es waschen wirst.
  4. Prüf, ob es zum ähnlichen Preis etwas aus besserem Material gibt.

Le Clair zeigt die Zusammensetzung, wenn der Shop sie angibt, und schlägt Teile aus derselben Kategorie zu einem ähnlichen Preis mit mehr Naturfasern vor. Dazu der Preisverlauf, damit du weißt, ob jetzt ein guter Moment zum Kaufen ist.

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